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Warum naturnahe Begrünungsmethoden?

Im Rahmen infrastruktureller Maßnahmen und Landschaftsveränderungen (z. B. Rekultivierung von Abbaugebieten, Straßen- und Deichbau) sowie für Kompensationsmaßnahmen werden große Gebiete in Deutschland jährlich begrünt. In vielen Fällen werden Regelsaatgutmischungen (FLL 2013) verwendet, die landwirtschaftliche Zuchtsorten und Arten gebietsfremder Herkünfte enthalten. Weil die Kosten für die Produktion geringer sind, werden diese Mischungen meist außerhalb der Anwendungsgebiete produziert, oft sogar in anderen Klimazonen (MARZINI 2004). Insgesamt werden jährlich 17.500 t Grassamen und 3.500 t Leguminosensamen nach Deutschland importiert (BLE 2004). 

Magere Flachlandmähwiese im Rötebachtal bei Mulfingen-Eberbach, © B. Feucht

Regelsaatgutmischungen (auch RSM) weisen hohe Ausfallraten gerade auf Extremstandorten auf, da ihnen spezifische Anpassungen an lokale Standortbedingungen fehlen. Bei der Verwendung von RSM kommt es weiterhin zur großflächigen Florenverfälschung. Gebietsfremde Arten und Zuchtsorten können sich unkontrolliert ausbreiten oder in gebietseigene Herkünfte einkreuzen und diese somit verdrängen.

Methoden, wie Mahdgutübertragungen, Druschverfahren, Ansaaten mit Wildpflanzensaatgut gebietseigener Herkunft und andere, stellen bei der Neuanlage oder Aufwertung von Offenlandlebensräumen bedeutende Alternativen zur konventionellen Begrünung mit RSM dar. Diese Methoden werden seit vielen Jahren wissenschaftlich untersucht und in der Praxis erfolgreich angewendet. Dabei werden Arten gebietseigener Herkünfte verwendet, die an die herrschenden Standortbedingungen angepasst sind. Die Gründe, die für eine weitreichende Etablierung dieser Methoden sprechen sind vielfältig. Zum einen wird die floristische Identität der Naturräume bewahrt und die Biodiversität gefördert, zum anderen werden eine hohe ökologische Wirksamkeit und das definierte Begrünungsziel erreicht. Der Nachbesserungs- bzw. Pflegeaufwand und die damit verbundenen Kosten verringern sich dadurch erheblich.